Ein sehenswertes Spektakel

U23 und der SC Herford trennen 4:4-Unentschieden.

Über mangelnden Unterhaltungswert durften sich die knapp 200 Zuschauer des Derbys in der Fußball-Westfalenliga zwischen dem SV Rödinghausen II und dem SC Herford nicht beklagen. 4:4 (2:3) hieß es nach einem vor allem im ersten Durchgang ungemein turbulenten Spiel bei eisigen Temperaturen auf dem Kunstrasen am Häcker Wiehenstadion.

Die lauf- und spielstarken Hausherren hatten 30 Minuten lang alles im Griff und führten gegen behäbig und schläfrig wirkende Herforder schnell mit 2:0. Schon nach acht Minuten hatte Jonas Burke eine Flanke von Ilias Illig per Kopf im Tor untergebracht, per Foulelfmeter erhöhte René Heitkamp in der 20. Minute auf 2:0. SC-Kapitän Christopher Heermann hatte Burke im Strafraum zu Fall gebracht. Kurz darauf traf Heitkamp mit einer artistischen Direktabnahme nach Illig-Flanke nur den Pfosten, während Illig frei vor dem Tor an Herfords Schlussmann Nino vom Hofe scheiterte.

Statt eines nach einer halben Stunde durchaus mögliche 4:0 für die Regionalliga-Reserve stand es aber nur neun Minuten später 3:2 für den SC Herford, und das dank Torjäger Marcel Todte. Nach Linksflanke von Dimitrios Nemtsis traf der bullige Angreifer zunächst aus zehn Metern in die lange Ecke zum 1:2 (30.). Zwei Minuten später versenkte Todte eine Vorlage von Michael Zech zum 2:2-Ausgleich und zeigte auch beim dritten Tor nach 39 Minuten seine Klasse, als er den Ball nach Nemtis-Pass überlegt an SVR-Torhüter Luca Beermann vorbei im Tor unterbrachte.

Kurz zuvor hatte Burke nach Heermann-Fehlpass aus halbrechter Position den Ball über das Tor gesetzt und dabei den in der Mitte freistehenden Illig übersehen. Ganz so spektakulär ging es nach der Pause nicht weiter. Zwar verzeichnete die SVR-Reserve die eine oder andere Torchance, die Herforder Defensive stand jetzt aber etwas besser. Als Igor Safonov einen Konter über den eingewechselten Giacomo Serrone in der 72. Minute zum 4:2 für die Gäste vollendete, schien das Spiel endgültig gelaufen. Das schien sich allerdings auch die SC-Defensive gedacht zu haben, denn vier Minuten später verursachte Moritz Ilg gegen Illig am Strafraumrand einen Elfmeter der Marke „unnötig“, den Heitkamp sicher zum 3:4 verwandelte.

Rödinghausen II witterte jetzt seine Chance und wurde fünf Minuten vor dem Ende belohnt, als der souveräne Schiedsrichter Waldemar Stor nach Foul von Joschka Matys an Burke berechtigterweise den dritten Elfmeter verhängte. Da Doppeltorschütze Heitkamp schon das Feld verlassen hatte, übernahm Bennett Heine die Verantwortung und verwandelte sicher zum 4:4. Quasi mit dem Schlusspfiff hätte SVR-Innenverteidiger Tobias Guthardt sogar das 5:4 erzielen müssen, er brachte den Ball nach Burke-Flanke aber aus drei Metern nicht über die Linie. So blieb es beim 4:4, das beide Trainer nach 90 Minuten als verdient ansahen.

„Das war ein geiles Derby mit gerechtem Ausgang“, fasste ein spürbar mitgenommener SVR-Trainer Martin Sek zusammen. „Insgesamt passt das Ergebnis“, stimmte Daniel Keller zu. Der SC-Trainer ärgerte sich jedoch über die Entstehung der Elfmeter und über die ganz schwache Anfangsphase. „Da waren wir gegen handlungsschnelle Rödinghauser überhaupt nicht im Spiel und haben viele Bälle verloren“, bemängelte Keller.

(NW vom 19.11.18)