Last-Minute-Pleite

SV Rödinghausen verliert 2:3 am Tivoli.

Zweimal in Führung gelegen und am Ende doch verloren. So könnte man den Nachmittag des SV Rödinghausen zusammenfassen. Durch eine unglückliche 2:3-Pleite bei Alemannia Aachen am legendären Tivoli hat der Regionalligist aus Ostwestfalen einen Dämpfer erlitten. Dass der SVR zwischenzeitlich zweimal geführt hatte, interessierte am Ende niemanden mehr. Denn die Geschichte des Tages schrieb der Gastgeber durch ein unglaubliches Zielfinish in der Nachspielzeit: In der 94. Minute schoss der 20-jährige Steven Rakk die Alemannia zum Sieg und brachte den Tivoli zum Beben. Stadionsprecher Robert Moonen kommentierte süffisant: »Das ist Tivoli!« Die Einzelheiten.

In den weißen Auswärtstrikots betraten die Mannen von Trainer Enrico Maaßen den Aachener Tivoli. »Weißes Ballett oder was?«, riefen direkt die ersten Zuschauer aus dem Fanblock der Hausherren. Doch von den Zwischenrufen ließ sich der SV Rödinghausen nicht beirren. Denn bereits nach nur zwölf Spielminuten ging der Ligaprimus in Führung. Lukas Kunze kam nach einem Gegenstoß an den Ball und ließ Aachens Keeper Ricco Cymer keine Chance (12.). Die Alemannia reagierte auf den Rückstand mit körperbetonter Spielweise und wollte sich buchstäblich zurück in die Partie »fighten«.

Zu spüren bekam das als erster der Linienrichter: Bei einem Klärungsversuch schoss Sebastian Schmitt den Assistenten ab, der daraufhin kurz KO ging. Glücklicherweise waren die Physiobetreuer von Aachen direkt zur Stelle und konnten den guten Mann schnell wieder aufpäppeln. Dafür gab es Szenenapplaus. Kurz darauf kamen die Gastgeber besser in die Partie, fanden fortan den besseren Zugriff und erspielten sich Torchancen. Zwischendurch hatte Lars Lokotsch eine Großchance zum 2:0 aus dem Fuß, diesmal war Keeper Cymer aber hellwach (32.).

Als es schon danach aussah, als würde es mit der 1:0-Auswärtsführung in die Pause gehen, schlug Aachen zurück. Nach einem Distanzschuss konnte Niclas Heimann die Kugel nur klatschen lassen – Aachens Vincent Boesen sagte »Danke« und schob zum 1:1-Ausgleich ein (42.). Nach dem Seitenwechsel kam Björn Schlottke für Nikola Serra ins Spiel. Serra hatte sich kurz vor dem Pausenpfiff eine Verletzung zugezogen, die wohl doch schwerwiegender sein musste.

Der SV Rödinghausen bleib seinem Spielplan auch im zweiten Durchgang treu und baute in Ruhe von hinten über viele Stationen auf. Als aus der Partie heraus nicht viel ging, brachte eine Standardsituation die Gäste erneut in Führung: Top-Scorer Simon Engelmann servierte den »ruhenden Ball« mustergültig auf den Kopf von Kapitän Daniel Flottmann, der sich mit einem dritten Saisontor bedankte (52.). So viele Tore hatte der mittlerweile 35-jährige Routinier zuletzt in der Saison 2017/18 erzielt, damals (vier Tore) benötigte er dafür allerdings 32-Ligabegegnungen. Jetzt sind es schon drei Treffer in sieben Spielen. Will da einer im Karriereherbst etwa die Torjägerkanone anpeilen…?

Kurz darauf gab es einen kurzen unschönen Höhepunkt, als sich aus einer Rudelbildung heraus Franz Pfanne und Robin Garnier sehr nahekamen. Schiedsrichter Marc Jäger behielt die Übersicht und zeigte beiden Streithähnen den gelben Karton. Alemannia Aachen entdeckte im zweiten Durchgang zunehmend das »Stilmittel« Distanzschüsse gegen kompakt stehende Rödinghausener Gäste. Das Paradebeispiel dazu lieferte der Ex-Wiedenbrücker Stipe Batarilo-Cerdic. Mit einem Wahnsinns-Bumms knallte er die Gastgeber zum 2:2-Ausgleich (63.). Da hatte der 25-Jährige aber alles in den Schuss gepackt, was er zu bieten. SVR-Keeper Heimann war chancenlos, die Kugel schlug im Winkel links oben ein. Nun drohte die Partie zu kippen. Aachen wollte mehr, Rödinghausen hatte gefühlt zu früh auf Sparmodus gestellt. Mehrere Großchancen durch Florian Rüter (65. & 71.) blieben vorerst ungenutzt.

Die Entscheidung sollte in der Nachspielzeit fallen – und sie sollte dramatisch sein. Obwohl Rödinghausen mit Mann uns Maus verteidigte, kam in der 94. Minute noch einmal ein langer Ball in den Strafraum. Batarilo-Cerdric konnte den verarbeiten, legte quer auf Rakk ab und der ließ einen Strahl ab, der zum 3:2-Siegtreffer für die Alemannia im SVR-Tor einschlug. Der Tivoli bebte jetzt! Es war der Last-Minute-KO. Der SVR konnte sich davon nicht mehr erholen und musste eine vermeidbare Pleite in Aachen einstecken.

(FuPa)

DIE SPIELDATEN

SV Rödinghausen: Niclas Heimann, Julian Wolff, Nikola Serra (46. Björn Schlottke), Daniel Flottmann, Angelo Langer, Lukas Kunze (68. Patrick Kurzen), Felix Backszat, Haktab Omar Traoré, Franz Pfanne (90. Fynn Arkenberg), Simon Engelmann, Lars Lokotsch (86. Eros Dacaj). 

Alemannia Aachen: Ricco Cymer, Matti Fiedler, Andre Wallenborn, Marco Müller, Robin Garnier (85. Kai-David Bösing), Alexander Heinze, Sebastian Schmitt (79. Patrick Salata), Stipe Batarilo-Cerdic, David Pütz (62. Steven Rakk), Florian Rüter, Vincent Boesen. 

Tore:  0:1 Lukas Kunze (12.), 1:1 Vincent Boesen (40.), 1:2 Daniel Flottmann (52.), 2:2 Stipe Batarilo-Cerdic (63.), 3:2 Steven Rakk (90.+4).

Schiedsrichter: Marc Jäger, assistiert von Tobias Altehenger und Kevin Mießeler.

Zuschauer: 4.900